Interview zu den Trickser-Romanen

ubooks: Wie kamen sie auf die Idee zu schreiben und warum gerade SF?

Ulli Schwan: Schuld an allem ist ein bärtiger Filmemacher, der in den siebziger Jahren eine piepsende Blechdose und einen goldenen Protokolldroiden auf die Suche nach einem gewissen Kenobi schickte. Spätestens als ein egozentrischer Weltraumschmuggler mit seinem verbeulten Raumschiff durch das All brauste, war mir klar: So was will ich öfters sehen! Kurz darauf stieß ich auf einem Dachboden meiner Großtante auf eine riesige Sammlung von Perry Rhodan-Romanen, und da war es dann ganz um mich geschehen. Ich entschied mich, mir diese Art von Geschichten nicht nur mehr erzählen zu lassen, sondern selbst zu erzählen.

Ich glaube die Faszination an der SF ist schlicht die Freiheit, die man sich als Erzähler nehmen kann. Meine Geschichte ist eine Space-Opera im klassischen Sinn, also ein Abenteuerroman, der um die physikalischen Gesetze einen Bogen macht. Das ist künstlerische Freiheit in Vollendung, es steht der Fantasie alles offen – solange man seine Leser unterhält.

ubooks: Wer sind ihre Vorbilder bzw. Helden im SF-Bereich?

Ulli Schwan: Vorbilder impliziert für mich, das man so sein will wie jemand, den es schon gibt. Ich hoffe, meine eigene Art des Geschichtenerzählens gefunden zu haben. Aber natürlich gibt es Autoren, die ich gerne lese und von denen ich gelernt habe: Neil Gaiman hat mir den Reiz der knappen Sprache verdeutlicht; Harry Harrison und sein Stahlratte-Zyklus zeigten mir eine andere Art von Held; das Autorenteam von Perry Rhodan bewundere ich ob ihrer schier grenzenlosen Fantasie und dem Beweis, dass man Science Fiction auch auf Deutsch schreiben kann; und natürlich Frank Herbert, sein Dune-Zyklus ist für mich der Klassiker schlechthin. Ein Autor, der mich immer wieder bewundernd den Kopf schütteln lässt, kommt nicht aus der SF: Peter O`Donnell ist für mich ein großer Meister.

Helden gibt es im SF-Bereich ein paar: So die Stahlratte Jim di Griz samt seiner Frau, Han Solo, Reginald Bull, und das Triumvirat auf Babylon 5: Sheridan, Ivanova und Garibaldi.

ubooks: Wie kamen sie auf die Idee von Trickser?

Ulli Schwan: Die erste Szene, die ich vor Augen hatte, war das Finale vom zweiten Roman. Dieses Bild ließ mich nicht mehr los und so spann ich die Geschichte darum herum. Mir war schnell klar, dass ich kein Universum wollte mit strahlenden Helden und dunklen Schurken. Bei Trickser geht es um einen Konflikt unterschiedlicher Gesellschaftsformen. Er eskaliert und Personen werden hineingezogen, die nicht böse oder gut sind, sondern die das Beste für sich und andere tun wollen.

ubooks: Sind die Charaktere ein Zufallsprodukt?

Ulli Schwan: Ja und nein. Manche Charaktere entwickelten sich einfach in der Handlung und ihre Rollen wuchsen, weil ich gern über sie schreiben wollte. Charaktere wie Indra Fey oder Tischara entstanden sozusagen Repräsentanten ihrer Gesellschaften. Sie bringen ihre Kulturen dem Leser nahe – wuchsen im Laufe der Geschichte jedoch über diese eindimensionale Funktion hinaus und werden auf Proben gestellt und gezwungen ihre Meinungen zu überdenken.

Bei den drei Protagonisten Blaine, Scyna und Rix ist die Entstehung sehr viel komplexer. Ich hatte klare Ansprüche an sie. Es dauerte Jahre, bis ich sie endlich als Charaktere vor mir sah. Eines stand von Anfang an fest: Es sollte einen Held und eine Heldin geben, die keine Liebenden sind – was lag näher als Geschwister? Zudem sollten sie abseits von jedem politischen Lager stehen; sie arbeiten für sich und nicht für irgendeine Ideologie oder ein Reich. Zudem sollte man mit ihnen einen Trinken gehen wollen. So lief ich also durch die Welt und ließ mich vom wahren Leben sowie von Geschichten inspirieren.

Wo und wann ich jetzt genau auf Blaine, Scyna und Rix kam, kann ich nicht mehr sagen, da es ein Prozess war und immer noch ist, da ich selbst noch neue Seiten an ihnen entdecke. Ich denke, Blaine war zuerst da, auch wenn es lange dauerte, bis er all die Schattierungen bekam, die ihn jetzt ausmachen. Sein Name stammt übrigens von einem Kölner Restaurant, das den Namen wiederum aus dem Film Casablanca entliehen hat. Scyna entwickelte sich mit Blaine, da sie sozusagen seine ergänzende Hälfte ist: Wo er zögert, prescht sie voran und wenn sie sich in Gefahr begibt, deckt er ihren Rücken. Am längsten dauerte die Suche nach Scynas Namen. Ich hatte schon fünfzig Seiten geschrieben, als ich in den griechischen Sagen über die Felsen Scylla und Charybdis las – aus Scylla wurde dann Scyna, da sie für mich ebenfalls etwas von einem Felsen hat: Sie steht fest zu ihren Überzeugungen. Am schnellsten ging wohl Rix, von ihm hatte ich immer die ganz klare Vorstellung einer lebenden Maschine die ein hervorragender Pilot ist aber auch sehr gebildet und der erfahrenste Raumfahrer der drei.

ubooks: was kann man von den Tricksern noch erwarten?

Ulli Schwan: Raubzüge, Raumschlachten und Abenteuer. Die Trickser werden noch viel durchmachen müssen, bevor sie all ihre Probleme gelöst haben, die mit dem ersten Roman gerade erst anfangen. Der Konflikt zwischen Iril und Merdianern wird für die Trickser zur Lebensaufgabe, obwohl sie sich liebend gern da raushalten würden. Neben Blaine und seiner Mannschaft werden noch andere Charaktere an Aufgaben wachsen oder scheitern – aber ich möchte nicht zu viel verraten über das, was noch kommen wird.

ubooks: Wie ist das Cover zum ersten Teil entstanden?

Ulli Schwan: Das ging – ausnahmsweise mal –  sehr schnell. Andreas Köglowitz von ubooks fragte mich, ob ich schon eine Vorstellung für das Cover hätte. Ich sagte nein, aber ich würde einen Künstler kennen, den ich gern einbinden wollte. Andreas war sofort bereit und erzählte mir dann seine Vorstellung von dem Cover; seine Ideen gefielen mir und aus ihnen wurde das jetzige Cover. Ich traf mich also mit dem Zeichner, Martin Schlierkamp, mit dem ich schon lange befreundet bin und dessen Arbeiten genau das sind, was ich für Trickser wollte: handgemachte ansprechende Illustrationen. Martin und ich setzten uns zwei Abende hin, um das Cover zu besprechen. Wir waren uns einig, dass keine Waffen auf das Cover sollten. Das war mir persönlich sehr wichtig, denn obwohl der Roman sehr viel Action hat, sind die Trickser keine Krieger, sondern Trickbetrüger und sie setzen Waffen nur ein wenn es keinen anderen Weg gibt. Das wollte ich auch über das Cover transportieren.

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