Dialog auf einer Brücke (Kurzgeschichte)

Da war ein Mann der auf eine Brücke ging um sich in den Abgrund zu stürzen. Es war eine hohe Brücke, und der Fluss unter ihr floss schnell, es gab also keinen Grund, warum der Mann den Sturz überleben sollte. Genau, was der Mann sich wünschte. Niemand würde seine Leiche finden, er wäre einfach verschwunden.

Der Mann hieß Frank. Frank wollte Keinem Scherereien machen, deswegen war er lange wach geblieben und ging erst jetzt, um kurz vor vier Uhr morgens, auf die Brücke. Niemand sonst war hier, in dieser kalten, feuchten Novembernacht.

Im Licht der spärlichen, alten Lampen schimmerte das Eisen der Stahlträger, die sich wie die Buckel von Hügeln über die Brücke spannten. Helles Metall glitzerte feucht zwischen dem dunklen Eisen. Da hingen Schlösser an den Schutzzäunen, Fahrradschlösser. Es war in den letzten Monaten eine Unart von Verliebten geworden, Fahrradschlösser an die Zäune anzuschließen, als Zeichen der Liebe und Treue.

Frank sah sich die Schlösser eine Weile an, berührte aber keines. Er fühlte, er hatte kein Recht dazu, denn war er nicht verliebt, und die beiden Beziehungen, die er bisher erlebt hatte, waren weder lange noch erfüllend gewesen. So stand er da, vor den Fahrradschlössern, und betrachtete diese Zeichen der Liebe wie jemand, der etwas verstehen will, was er nie erfahren konnte.

Mit einem Seufzer drehte Frank den Schlössern den Rücken zu. Er sah sich um. Niemand da. Das war gut. Er ging hinüber zum Geländer und blickte hinab. Der Fluß unter ihm war in der Nacht ein schwarzes Band, wie Tinte, doch hin und wieder funkelten Wellenkronen als silberne Kämme auf. Verschwanden so schnell, wie sie aufgeblüht waren.

Am rechten Flussufer sah er Anlegestellen, an denen im Sommer die Ausflugsboote lagen, mit denen man über den Fluß fahren konnte. Jetzt, Ende Herbst, waren sie vewaist und in der Dunkelheit nicht mehr als Schemen von dunklem Stein. Hinter einer leeren Promenade lagen alte Fachwerkhäuser. Alle Fenster waren dunkel. Über den Häusern ragten zwei Kirchen empor, ihre schlanken Türme hell vor den dunklen Wolken. Und daneben, parallel zur Brücke, die Doppelspitze des Doms, grau vor Alter und Verschmutzung. Alles ruhig, alles dunkel und still.

Es forderte Frank nicht viel Mut, über das Geländer der Brücke zu klettern. Das rechte Bein zuerst, das linke folgte sofort. Jetzt stand er auf einem kleinen Vorsprung, hielt sich mit den Armen am Geländer fest, das in seinen Rücken drückte. Er konnte jetzt das Rauschen des Flusses hören. Es klang wild. Verlockend. Aber auch beängstigend.

Er beugte sich vor.

Jetzt brauchte er nur noch los zu lassen und es war vorbei. Dieses Leben würde beendet sein. Endlich!

Nur noch loslassen.
»Was für eine Nacht! Dieses Wetter zieht einem jede Wärme aus den Knochen!«

Überrascht fuhr Frank zurück. Seine Hände krallten sich an das Geländer. Die Stimme war direkt hinter ihm gewesen, direkt bei ihm. Er sah nach links und dort einen Fremden, der sich mit den Armen auf das Geländer stützte. Der Mann hatte wirres Haar und trug einen azurblauen Trenchcoat. Er nickte wie zur Begrüßung, als würde er Frank in einer Kneipe begegnen, während sie sich an der Theke ihre Getränke bestellten.

»Stör ich?«, fragte der Fremde.

»Äh«, brachte Frank heraus. War es nicht offensichtlich, was er vorhatte?

Der Fremde sagte: »Eigentlich suche ich eine Pizzeria. Ich habe mächtig Hunger und da wäre eine Pizza genau das richtige. Kennen Sie eine in der Nähe?«

»Es ist vier Uhr morgens«, erinnerte Frank.

»Und?«

»Da hat keine Pizzeria mehr auf«, erklärte Frank dem begriffsstutzigen Fremden.

Dieser schnippte. »Richtig.« Er drehte sich um, lehnte sich mit dem Rücken ans Geländer und drehte seinen Kopf, um das Gespräch fortzuführen. »Was machen Sie da eigentlich? Sie könnten ausrutschen.«

»Ich werde springen.«

»Ziemlich tief.«

Frank spürte Wut aufkommen. Was machte dieser ignorante Idiot hier? Warum ließ er ihn nicht einfach in Ruhe. »Ja«, sagte er schlicht. Bloß kein Gespräch anfangen, dann würde der Kerl schon gehen.

Stattdessen zog der Fremde zwei Kekse aus der Tasche seines Trenchcoats. »Dann muss das wohl reichen. Wollen Sie auch einen?«

Frank sah auf die Hand, die der Fremde ihm hinstreckte. Ein Schokokeks war in ihr. Frank bräuchte nur zuzugreifen. Aber dafür musste er das Geländer loslassen. Und wenn das nur ein Trick war, und der Mann seine Hand packte, ihn festhielt, damit er nicht springen konnte? Frank wollte springen. Mit einem so einfachen Trick würde ihn der Fremde nicht kriegen. »Kein Appetit.«

»Jeder mag Kekse. Naja, wenn Sie es sich anders überlegen.« Der Fremde legte den einen Keks neben Frank aufs Geländer und begann, den zweiten zu essen. »Ich bin übrigens Jonas.«

»Mir egal.«

»Wollte nur freundlich sein. Ich störe Sie doch hoffentlich nicht?«

»Doch!«

»Wobei?«

Frank schwieg. Dieser Jonas würde es ja sowieso nicht verstehen. Keiner konnte das. Niemand fühlte wie er diese Leere, diese Sinnlosigkeit. Dieses hohle Leben, ohne Bedeutung und Sinn. Warum sollte er einem Fremden das erklären wollen?
Neben ihm drehte sich Jonas wieder um und blickte über das Geländer auf den Fluss.

»Wollen Sie Ihr Leben beenden?«

Frank schwieg.

Jonas sagte: »Ich meine, wenn Sie es nicht einmal aussprechen können, dann sind Sie nicht dafür bereit. Überlegen Sie es sich doch besser noch mal.«

»Ich werde mein Leben beenden!«, rief Frank. Er war über sich selbst überrascht, denn er hatte wirklich geschrien, hatte es diesem Fremden ins Gesicht gebrüllt. Und warum auch nicht? Dieser Jonas nervte. Er sollte einfach gehen.

»Schon gut. Wenn das jemand darf, dann Sie. Keine Frage.« Aber Jonas blieb, und nach ein paar Sekunden fragte er: »Ich hatte nie diesen Wunsch. Warum wollen Sie springen?«

»Es gibt viele Gründe«, hörte sich Frank sagen.

»Gebrochenes Herz?«

»Ach bitte. Das ist so ein Klischee!«

»Bin neu in diesem Gewerbe. Was ist es dann?«

Frank starrte auf den Fluß unter sich. Er musste nur loslassen. Er hatte Jonas nicht gebeten, hier zu sein. Nur loslassen. Aber jetzt, da jemand neben ihm stand, fiel es ihm schwer. Stattdessen ertappte er sich dabei, zu sagen: »Es hat doch alles keinen Sinn. Ich stehe auf und gehe zur Arbeit. Rede mit meinen Kollegen, mache meine Arbeit. Gehe nach Hause und treffe mich mit meinen Freunden. Wir gehen ins Kino oder gucken Fußball oder hören uns ein Konzert an. Schlafen. Wieder zur Arbeit. Und wir reden und reden und reden.«

Jonas zuckte die Schultern. Schluckte den letzten Rest seines Kekses. »Hört sich gut an. Ein ruhiges, normales Leben.«

»Aber keiner hört zu. Keiner versteht. Niemand ist der, der er wirklich ist. Wie im Kino. Jeder sieht nur den Film auf der Leinwand, sieht, was ihm gezeigt wird. Aber ich bin kein Film, ich bin der Projektor. Was die anderen sehen ist nur das, was ich ihnen zeigen will. Ich bin der Projektor, der im dunklen Raum steht, hinter Glas.

Aber keine dreht sich zu mir um, alle wollen nur den Film auf der Leinwand sehen. Das, was ich Ihnen zeige. Das Bunte und Laute, worüber sie lachen können. Niemand interessiert sich dafür, woher der Film kommt. Alle wollen nur bespaßt werden. Und wenn der Projektor kaputt ist oder Film langweilig, gehen sie in ein anderes Kino, sehen einen anderen Film. Ein Projektor, der nichts zeigt, taugt nichts. Wird vergessen, links liegen gelassen.«

»Und damit die Leute bleiben, zeigen Sie Ihnen nur das, was interessant scheint. Ich meine, im Kino will man Komödien sehen, Action. Aber keiner sieht sich einen Film über einen Projektor an.«

»Genau.«

»Und deswegen zeigen wir nur die Seiten von uns, von denen wir glauben, die anderen finden sie amüsant.«

»Ja. Aber das sind nicht wir. Das sind nur die Bilder von uns, die wir den anderen zeigen wollen, damit sie bei uns bleiben.«

Beide schwiegen eine Weile. Das Rauschen des Flusses in ihren Ohren und Gedanken.
Jonas sagte als erster etwas. »Was, wenn wir einfach mal einen Film über einen Projektor zeigen würden?«

»Jeder würde das Kino verlassen.«
»Sicher? Ich meine, sollten wir dem Publikum nicht die Chance geben zu entscheiden, ob es bleiben oder gehen will? Wenn wir diesen Film nie zeigen, was für eine Wahl hat das Publikum denn dann? Keine!«

»Und wenn es geht?«, fragte Frank. »Was sagt das über uns?«

»Das wir mutig sind.«

»Mutig? Blödsinn. Wir hätten uns vor allen blamiert. Wir wären Looser!«

»Nein, keine Looser. Es ist mutig, der zu sein, der man ist. Und nicht jemanden zu spielen, den alle mögen können.«

Frank schüttelte den Kopf. »Schöne Reden, aber im normalen Leben funktioniert das nicht. Die Leute lachen über einen, wenn sie sehen, wer man ist. Deswegen leben wir dafür, ein Bild von uns aufzubauen, dass andere mögen. Jedes Gespräch, jedes Treffen mit Verwandten, Freunden und Kollegen ist nur dazu da, um Ihnen einen Menschen zu zeigen, den sie interessant finden. Unser ganzes Leben gaukeln wir den anderen vor, jemand zu sein der wir nicht sind: fehlerlos, witzig, intelligent und allzeit bereit. Das ist der Sinn unseres Lebens. Und das finde ich scheiße. Ich will das nicht mehr. Wenn dass der Sinn des Lebens ist, hat das Leben keinen Sinn für mich.«

Jonas schüttelte den Kopf. »Ich denke, jeder hat zuviel mit den eigenen Problemen zu tun, um sich so viel Gedanken über andere zu machen.«

»Oh nein, glauben Sie mir. Die Leute haben nichts besseres als sich auszudenken, wie sie andere herunter machen können. Es macht ihnen Spaß, besser zu sein als andere.«

»Niemand ist besser als ein anderer.«

»Und warum sind dann die einen reich und die anderen arm?«

»Was hat Geld mit dem Wert eines Menschen zu tun?«

»Warum ist das so? Warum haben die einen alles und die anderen nichts?«

»Ich weiß es nicht«, sagte Jonas. »Keine Ahnung. Ist mir auch egal. Ich gehe meinen Weg mit dem, was ich habe.«

»Das tue ich auch.« Frank zeigte hinab zum Fluss. »Das ist mein Weg.«

»Das ist kein Weg, das ist eine Einbahnstraße ohne Wendemöglichkeit.«

»Aber da drüben wird es besser sein als hier.«

»Sicher? – Ich meine, kann schon sein. Aber haben Sie wirklich dieses Leben schon ausgekostet? Haben Sie schon alles gemacht was sie schon immer machen wollten? Haben Sie jeden Ort gesehen, den Sie sehen wollten? Ich meine, wenn Sie springen, gibt es keine zweite Chance. Mag sein, dass nach dem Tod etwas Wunderschönes auf uns wartet, aber wir alle werden früher oder später eh dorthin kommen. Warum also früher als unbedingt nötig auf diese Reise gehen?«

»Weil es nichts gibt, was mich hier hält.« Frank löste die Fänger vom Geländer. Jetzt nur noch einen Schritt nach vorne.

»Ich kann Ihnen etwas zeigen, was Sie noch nie gesehen haben.« In Jonas‘ Stimme schwang pure Überzeugung. Eine Selbstsicherheit die Frank überzeugte, dass Jonas ihn nicht einfach zurückhalten wollte, sondern es ernst meinte.

»Noch nie gesehen? Was gibt es in dieser Welt denn noch? Alles ist erkundet. Auf jedem Flecken Erde machen sich Touristen breit. Es gibt nichts Neues mehr, alles war schon mal da, alles wird nur wiederholt.«

»Es gibt immer neue Wunder zu entdecken. Gleich um die Ecke.«

»Ich bin zu müde.«

Jonas schüttelte den Kopf. »Zu müde für ein Wunder? Das glaube ich nicht. Kommen Sie, es sind nur ein paar Schritte! Ein paar Schritte in eine neue Welt!«

Neugierig drehte sich Frank zu Jonas um. »Sie werden mich nicht aufhalten.«

»Das«, sagte Jonas und deutete auf den Fluß unter ihnen, »ist allein Ihre Entscheidung. Aber ich glaube, Sie sehen die Welt in einem falschen Licht. Es gibt noch so viel, wofür es sich zu bleiben lohnt. Ich will es Ihnen zeigen. Es dauert nur fünf Minuten, dann lasse ich Sie in Ruhe. Versprochen.«

»Ich muss aber zu Ihnen kommen«, vermutete Frank.

»Das läßt sich nicht vermeiden. Wenn Sie danach springen wollen, halte ich Sie nicht auf. Aber ich kann dann sagen, ich habe alles Mögliche getan. Das würde mich sehr beruhigen.« Jonas ging zwei Schritte vom Geländer fort. »Bitte.«

Frank sah hinab. Der Fluß würde auf ihn warten. Er hörte das Versprechen im Rauschen der Wellen. »Also gut.«

Frank schwang seine Beine über das Geländer und stand nun auf der Brücke, neben Jonas.

Der öffnete seinen Trenchcoat. Darunter trug er eine gestreifte Weste, aus deren Tasche er etwas zog, das wie ein Kompass aussah. Er drehte an den kleinen Knöpfen an der Seite des Geräts, nickte dann und winkte Frank, ihm zu folgen. »Hier lang, es sind nur ein paar Meter.«

Frank blieb zwei Meter hinter Jonas, damit dieser ihn nicht packen und festhalten konnte. Er folgte ihm dennoch. Sie gingen über die Brücke in Richtung des Ufers, von dem Frank gekommen war. Er sah den Dom vor sich, seine spitzen Türme schienen die Herbstwolken kratzen zu wollen.

Und plötzlich, von einem Schritt zum anderen, fühlte Frank sich seltsam. Als wäre etwas verschoben, wie ein kurzer Schwindel, nach dem die Welt schief stehen bleibt. Aber die Welt stand nicht schief. Sie war nur ganz, ganz anders.

Der Dom, eben noch grau von Dreck, strahlte nun in einem hellen Weiß. Auch war der Himmel sternenklar, die Wolken waren mit einem Wimpernschlag verschwunden.
Frank rang nach Atem, hielt sich am Geländer fest und blickte auf den Fluß. Der war noch da, aber sonst war alles anders. Die Häuser an der Promenade waren viel älter, mit Stuck und Verzierungen an allen Fenstern – und doch wirkten die Farben frisch.

Über Frank erklang das Geräusch eines Propellers. Aber so tief durfte doch kein Flugzeug fliegen!, dachte Frank erschreckt und blickte nach oben. Über sich sah er einen silbernen Rumpf, geformt wie der eines U-Bootes. Ein U-Boot, das über seinem Kopf flog! Frank fiel auf die Knie, als das Boot über ihn weg flog, dann in der Luft verhaarte und sich langsam senkte.

Als es auf der Höhe der Brücke war, konnte Frank hinter beleuchteten Fenstern Menschen sehen, die Wein tranken und ihm zuwinkten. Dann war das fliegende Boot zu tief, und schließlich setzte es auf dem Fluß auf. Die Propeller ließen das Wasser weiß aufschäumen, als sie das Boot die letzten Meter bis zur Anlegestelle brachten.

»Das ist nicht real«, stöhnte Frank.

»Das ist real«, sagte Jonas unbekümmert neben ihm. »Nur eine andere Welt. Gerade mal um die Ecke von Ihrer eigenen.«

»Eine andere Welt?«

Jonas nickte. »Und das ist nicht die einzige.«

Frank klammerte sich an das Geländer, als wolle er dieses Stück fühlbarer Realität nicht loslassen, weil er Angst hatte, sich in der Illusion um ihn herum zu verlieren. Er sah sich um. »Da sind Palmen«, murmelte.

»Oh ja, die.« Jonas ging die wenigen Meter bis zum Ende der Brücke. Dort wuchsen auf einem kleinen Rasenstück vier Palmen. Jonas bückte sich und hob ein Palmenblatt auf, das abgefallen war. Es betrachtend, kehrte Jonas zu Frank zurück. »Ein Geschenk aus Alexandria. Lange Geschichte, hat was mit Artefakten und Archivonauten zu tun. Hier.«

Frank nahm das Palmenblatt, fühlte es, hörte es durch seine Finger gleiten.

Jonas machte eine ausholende Geste, die das gesamte, fremdartige Panorama einschloss. »Verstehen Sie jetzt, wie wenig Sie gesehen haben? Wie viel Ihnen in diesem Leben noch offen steht? Wäre doch Verschwendung, das alles hinter sich zu lassen, oder?«

Jonas blieb noch eine Minute bei Frank stehen. Dann ging er den Weg zurück, den sie gekommen waren, dabei spielte er wieder mit diesem Gerät, das wie ein Kompass aussah.
Frank folgte ihm auf den Fersen. »Sie sagten, es gibt mehrere Welten?«

»Dutzende, und unzählige noch nicht erforschte. Jede so anders und einzigartig wie ein Fremder auf der Straße.«

»Aber wie geht -« Frank fühlte sich wider schwindelig, stolperte über seine eigenen Füße und musste sich am Geländer festhalten.

Jonas stand neben ihm und legte ihm eine Hand auf die Schulter. »Welchen Weg Sie auch gehen, ich wünsche Ihnen alles Gute.«

Frank sah hinab auf den Fluß. Er war immer noch da, wie versprochen. Dann sah Frank auf und fand sich in seiner Welt wieder: Die vewaisten Anlegestellen, der wolkenverhangene Himmel und der graue Dom. Er war zu Hause. Dort, wo er sein ganzes Leben gewesen war. Aber was war mit der anderen Welt?

Frank fuhr auf, wollte Jonas danach fragen.

Jonas war fort.

»Jonas? Jonas!«, rief Frank und lief in die eine und andere Richtung. Aber der Fremde im Trenchcoat war fort.

War er nur eine Illusion gewesen? War die fremde Welt nur ein Hirngespinst? Musste Frank an seinem Verstand zweifeln?

Er sah auf seine Hände hinab – und das Palmenblatt, das er in ihnen hielt.

»Ich war in dieser anderen Welt«, sagte er zu sich selbst. Und er glaubte, was er sagte. Ja, er war dort gewesen.

Frank griff das Palmenblatt fest. Er blickte zum Geländer. Dort lag noch der Schokokeks, den Jonas ihm angeboten hatte. Frank ging zum Keks und blickte hinab auf den Fluß.
Der Fluß würde auch später noch da sein.

»Wie komme ich dorthin zurück?«, murmelte Frank.

Nahm den Keks, biss ein großes Stück ab. Der Keks schmeckte gut, so gut wie schon lange kein Keks mehr geschmeckt hatte. Und die Schokolade auf seiner Zunge genießend, begann Frank seine Wanderung durch sein weiteres Leben.

© 2012 Ulli Schwan